Der Beruf des Trauerredners, der TrauerrednerinObgleich der Beruf des freien Trauerredners, der freien Trauerrednerin kein Ausbildungsberuf ist, stellt er höchste Anforderungen an die Ausübenden hinsichtlich ihres Könnens. Trauerredner publizieren die letztgültigen Worte zum Leben eines Verstorbenen, auf das sich die Öffentlichkeit - und sei es die Interpretation einer nur "kleinen" Öffentlichkeit von Familie und Freunden - grundsätzlich beruft. Wer sich seit den 1980er Jahren zu dieser Arbeit entschlossen hat und damit erfolgreich wurde, prägte ein neu entstehendes Berufsbild, ohne daß er sich an einer "Theorie zur Gestaltung von Trauerfeiern" messen lassen mußte. Mit der rasant zunehmenden Bedeutung der nicht-religiösen und nicht-weltanschaulich gebundenen Feiern wuchs nunmehr die Möglichkeit der trauernden Menschen, ihr eigenes Bedürfnis hinsichtlich einer Trauerfeier zu spüren und zu artikulieren und persönliche Anliegen auch einzufordern. Mit steigender Zahl nicht-kirchlich oder anders religiös oder weltanschaulich gebundener Trauerfeiern ergab sich schließlich die Möglichkeit, die Arbeit der verschiedenen Trauerrednerinnen und Redner zu vergleichen und zu beurteilen. Heute haben nur noch lebenserfahrene und gut qualifizierte Trauerredner überhaupt eine Chance, diese Arbeit als einen Beruf auszuüben. In den vergangenen zwanzig Jahren haben sich in allen Teilen des Landes freie Trauerrednerinnen und Redner hauptberuflich etabliert und die Vakanzen besetzt. Sie gestalten in einer sich nachhaltig verändernden Bestattungskultur insgesamt ein eigenständiges öffentliches Angebot, in Zusammenarbeit mit den Bestattungsinstituten, welche die freien Trauerredner vermitteln. Wer sich nunmehr als freiberuflicher Redner oder Rednerin etablieren will, muß in der Regel nicht unerhebliche Kosten und so viel Zeit seines Lebens in die Vorbereitung und den Aufbau einer Berufsexistenz investieren, wie diese dem Aufwand einer sonstigen Berufsausbildung oder dem Umfang eines Studiums entspricht. Trauerredner und Rednerinnen müssen den eigenen Umgang mit Tod und Sterben selbst reflektiert haben, Kulturwissenschaftlich recherchieren, psychologisches Fachwissen anwenden und unter Supervision modifizieren. Sie müssen Menschen mit unterschiedlichem Sprachgebrauch verstehen und auf die von Trauernden artikulierten Bedürfnisse eingehen, diese auch schon im Austausch mit den Hinterbliebenen gemeinsam erarbeiten und das umsetzen, was Auftraggeber für eine Trauerfeier sich im Einzelnen für die inhaltliche Gestaltung des Abschieds wünschen - all das im ständigen Kontakt mit Menschen in existentiellen Ausnahmesituationen und vor dem Hintergrund ihrer Stellung innerhalb kultureller Zusammenhänge. Das setzt hinsichtlich des Berufs der Trauerrednerin, des Trauerredners ein erfahrenes Fachwissen, eine hohe kommunikative und neben geübter Rhetorik eine breite künstlerische Kompetenz voraus, und zwar in vielfacher Hinsicht als Kultur-Gestaltende. Übrigens sind ein organisatorisches Können und die Verantwortung der Gestaltung einer freiberuflichen Tätigkeit unabdingbar. Erfahrene Trauerredner haben sich im Allgemeinen zu einem Netzwerk zusammen geschlossen oder haben ihre Aufnahme in einen Berufsverband, in eine Rednergemeinschaft oder in eine Arbeitsgemeinschaft erreicht, um die an Einzelne täglich gestellten Arbeitsanforderungen zu leisten, einschließlich der Vertretung bei Urlaub und Krankheit oder z.B. für rechtliche Angelegenheiten. Die Arbeit der Trauerredner ist als anerkannt als publizistische Tätigkeit. |
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