Die Qualifikation von Trauerrednern und Trauerrednerinnen
 Reflektierte Lebenserfahrung ist Pflicht! Sie müssen über sehr gute Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen im Blick auf die Gesprächsführung mit Einzelnen oder etwa in heterogenen Gruppen. Das persönliche Gespräch zwischen Trauerredner/Rednerin und Hinterbliebenen muß eine den Trauernden hilfreiche Begegnung sein und ist zur Vorbereitung der Trauerfeier nach der Auffassung der BATF zwingend notwendig für die gute Qualität der Feier, wenn es denn qualifiziert (beobachtend und reflektierend) geführt wird. Kulturwissenschaftliche Recherche ist Voraussetzung! Sie arbeiten in einem Land, dessen gewachsene Bestattungskultur sich nachhaltig verändert und globalen Einflüssen unterliegt. Sie vermitteln zwischen Erwartungen unseres Kulturkreises und persönlichen kulturellen Prägungen von Menschen aus allen Ländern und aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. Voraussetzung für den Beruf ist die Kunst, Menschen und Biografien Wert-frei zu verstehen und letztgültige Worte über Menschen über Barrieren hinweg verständlich zu publizieren. Psychologische Arbeit ist unerläßlich! Sie übertragen die Ihnen im Austausch mit Trauernden anvertrauten Informationen zur Biografie und Lebenszusammenhängen der Toten in verantwortlicher und nachvollziehbarer Weise in Ihre Ansprache und Ihre Feier. Daß dabei keineswegs alles öffentlich werden darf, was in Vorgesprächen gesagt worden ist, ist selbstverständlich - es setzt allerdings ein sehr feines psychologisches Gespür des Trauerredners, der Rednerin dafür voraus, was als Wesen des Toten in der Öffentlichkeit erkennbar werden darf und was die Integrität der Toten und der Lebenden verletzen könnte. Selbstbewußtsein muß sein! Sie stehen schließlich mit Ihrer Person und dem Mandat von Menschen in existentieller Not vor der Öffentlichkeit ein für das Gelingen der Trauerfeier und für die inhaltliche Gestaltung einer gesamten Bestattung. Das setzt Erfahrung im Umgang mit öffentlichen Auftritten voraus, "Kultsicherheit", breites Wissen um Rituale und rhetorische Fähigkeiten; weiterhin die Bereitschaft, sprachliche Möglichkeiten und Sprachbarrieren Trauernder und ihrer Gäste zu berücksichtigen und die Rede ganz auf die Bedürfnisse der Hinterbliebenen und derer Öffentlichkeit hin auszurichten.
Trauerrednerinnen und Trauerredner, die diese Fähigkeiten erlernt haben, sollten in der Regel eine Ausbildung und Berufserfahrungen im geisteswissenschaftlichen, vielleicht im theologischen bzw. unbedingt im psychologischen, jedenfalls im kulturwissenschaftlichen Bereich erfahren haben. Sie haben längst in einem Beruf erfolgreich gearbeitet und ihre Ausbildung um die professionelle Organisation der freiberuflichen Tätigkeit und der publizistischen Arbeit, um Strategien zur Etablierung und um kaufmännische Fähigkeiten erweitert.
Wir haben durch die Beantwortung von mittlerweile rund zweitausend Anfragen den Eindruck gewonnen, daß viele Menschen die Arbeit in diesem Beruf nicht einmal annähernd angemessen einschätzen. Zumal es für Neueinsteiger nicht einfach ist, als Trauerrednerin oder Redner Fuß zu fassen in einem Berufsfeld, für den es keinen „expandierenden Markt“ gibt. Denn in den meisten Regionen Deutschlands arbeiten mittlerweile sehr gute und professionelle Rednerinnen und Redner. Deshalb sollte ein Berufsstart sehr umfangreich vorbereitet sein. Der Einsteig dauert mehrere Jahre, der Aufstieg ist mühsam, erfordert Geduld und sehr viel persönliches Engagement. Auch es geht niemals gerade nach oben! Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird die Tätigkeit als Trauerredner erst nach reichlich Berufserfahrung zu einer tragfähigen Berufsexistenz, in enger Kooperation mit dem Bestattungsgewerbe.
Wir raten jedem, der sich mit dem Gedanken daran beschäftigt, Trauerrednerin oder Redner werden zu wollen, zu einer umfassenden gründlichen Berufsvorbereitung und der professionellen Entwicklung eines eigenständigen Arbeitskonzepts, in das auf jeden Fall die Erfahrungen aus einem bisher erfolgreich ausgeübten Beruf im sozialen, geisteswissenschaftlichen, psychologischen, kulturwissenschaftlichen und kaufmännischen Bereich einfließen müssen. Wer diese Vorbereitungsarbeit eigenständig geleistet hat, kann sich an den Berufsverband BATF e.V. wenden. Sämtliche Vorbereitungen auf den Beruf des Trauerredners benötigen erfahrungsgemäß mehrere Jahre Zeit und sollte mit einiger Lebenserfahrung nicht vor dem Beginn der zweiten Lebenshälte aufgenommen werden. Kolleginnen und Kollegen, die aus dem Berufsleben ausscheiden, raten wir mit den genannten Hinweisen zu einer sorgfältigen Auswahl eines Nachfolgers. Mitglieder des BATF erhalten Hilfen und Unterstützung für ihre Nachfolgeregelung. Die BATF ist ein Berufsverband und vertritt die Interessen seiner Mitglieder. Eine Berufsberatung für Berufsanfänger bietet die BATF ausdrücklich nicht an, auch nicht in Form von Infos zu Einzelfragen. Bitte sehen Sie als Berufsanfänger von diesbezüglichen Anfragen ab. Sollten Sie sich als Trauerredner/Rednerin dauerhaft (wenigstens drei Jahre) und nachweislich etabliert haben, wählen Sie bitte das Menü "Mitgliedschaft". Bitte nutzen Sie für entsprechende Anfragen unser "Kontaktformular". |