Zur Geschichte weltlicher Trauerfeiern

Die enge Verbindung von Staat und Kirche, wie sie für die deutsche Geschichte prägend ist, hat dazu geführt, daß auch die Bestattungsformen bis ins 20. Jahrhundert hinein durch kirchliche Formen bestimmt waren.

Gab es Ende des 19. Jahrhunderts auch erste Ansätze von Freidenkern, ihre Bestattungen anders als durch Gottesdienste zu gestalten, wurden ihre "Feuerbestattungsvereine" doch 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verboten und enteignet und damit entscheidende Ansätze zu einer nicht-kirchlich gebundenen Bestattungskultur zerstört.

 In den ersten Nachkriegsjahren wurden in der Bundesrepublik Deutschland bald neue außerkirchliche Gruppen gebildet, die im Rahmen freidenkerischer oder freireligiöser Überzeugungen Bestattungen für nicht-kirchlich gebundene Menschen durchführten. Indessen wuchs die Zahl der Menschen, die ihren Kirchenaustritt erklärten, ohne sich einer neuen weltanschaulich geprägten Organisation anzuschließen.

Die Entwicklung in der DDR verlief indes anders als in der BRD. Spätestens aber mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der Bedarf für den kulturellen Beitrag von Trauerrednern und Trauerrednerinnen überdeutlich: zum einen führen nun wirtschaftliche Zusammenhänge immer öfter zum Kirchenaustritt aufgrund der Höhe der Kirchensteuer, zum anderen entfremden sich immer mehr Menschen auch inhaltlich von den kirchlichen und anderen religiös geprägten Institutionen, die im Prozess der Säkularisierung unserer Gesellschaft an Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit verloren haben.

Die nicht-kirchlich gebundenen Trauerfeiern lösten sich in den 1980er und 90er Jahren von weltanschaulichen Traditionen und wurden zu einer gesellschaftlich akzeptierten Form des Abschieds, so wie bereits 40 Jahre lang die Praxis in der DDR die Anliegen der Menschen ohne den Einfluß einer Religion beschrieb.

Zwei Drittel aller Trauerfeiern in den neuen Bundesländern, in Berlin und in Hamburg sind mittlerweile "nicht-konfessionell" bzw. "frei" - in kirchlich geprägten Gegenden (Rheinland, Baden-Württemberg, ländliches Bayern) bisher noch weniger. Inzwischen wird - bundesweit geschätzt - jede zweite Trauerfeier durch einen Trauerredner oder eine Rednerin gestaltet; während - erstaunlicherweise - nun auch der Einfluß der katholischen Kirche auf die Form und Inhalte des Abschieds zusehends schwindet. Trauerredner und Rednerinnen übernehmen längst sowohl die Gestaltung christlich-religiöser bzw. überhaupt religiös geprägter als auch religiös bzw. weltanschaulich ungebundener Abschiede.

Insbesondere die Berührungen und der Austausch mit anderer Kulturen erfordern in einer sich globalisierenden Gesellschaft moderne und individuelle Formen der Gestaltung von Lebensübergängen, welche sich nicht mehr auf die Deutschen Kirchen und ihre z.T. noch aus Nationalsozialistischer Zeit herrührenden, per Staats-Kirchenvertrag festgelegten, gesellschaftlichen Einflüsse beziehen.

Eine Trauerfeier ist die gestaltete Form des Abschieds von Menschen in einer gewachsenen Kultur, deren Teil die Kirche selbstverständlich noch ist, auch im Hinblick auf ihren Besitz. Während hingegen die "Kirchen" sogar hinsichtlich ihres Eigentums oder ihrer Anliegen die Gesellschaft (Gemeinschaft aus Juden und Christen, Buddhisten, Muslimen, Russisch-Orthodoxen, Freidenkern, u.v.m.) längst nicht allein repräsentiert, geschweige denn die Gesellschaft des dritten Jahrtausends derzeit nachhaltig oder wesentlich leitet.

Trauerredner und Rednerinnen gehen davon aus, daß Menschen auch außerhalb von verfaßten Kirchen z.B. Christen sein können und respektieren gleichermaßen den Kirchenaustritt wie weltanschauliche und/oder religiöse Bedürfnisse, die einen nicht-kirchlichen Abschied betreffen. Einzige Voraussetzung: Trauerredner und Rednerinnen tragen keine Amtstracht und repräsentieren keine Institution.

Ferner: "Freie" Redner sind auch nicht gleichzeitig Bestatter, sondern kooperieren eng mit diesen. Der Verband BATF ist mit seinen Mitgliedern darüber hinaus Mitglied im Kuratorium des Deutschen Bestatterverbands und nimmt Einfluß auf die Deutsche Bestattungskultur mit dem Ziel, Menschen beim Abschied menschlich zu begleiten.


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